Die guten alten (analogen) Zeiten

Kennt ihr das noch? Eine komplett manuelle Kamera: der Film bestimmt den ISO, Blende und Belichtungszeit muss von Hand eingestellt werden und sogar für den Transport des Films gab es einen Hebel. Ihr entwickelt die Bilder und seid gespannt, was alles drauf ist, weil Ihr pro Foto-Ausflug nur eine Handvoll Bilder geschossen habt? Vor kurzem habe ich beim Aufräumen mein Fotoalbum mit analogen Scharzweiß-Aufnahmen entdeckt und ein bisschen in der Nostalgie geschwelgt. Die Ergebnisse von damals möchte ich euch nicht vorenthalten.

Vor ein paar Jahren fiel mir auf einem Flohmarkt eine alte Praktika MTL 3 in die Hände. Fasziniert von der alten Technik machte ich mich über die Grundlagen der manuellen Fotografie schlau.  Bisher war ich noch mit meiner Kompaktknipse unterwegs, die kaum Einflussnahme auf die Einstellungen erlaubte. Zunächst probierte ich viel herum. Zum Glück hatte die Praktika schon einen integrierten Belichtungsmesser, der mir mit einen Zeiger im Sucher anzeigte, ob ich ungefähr richtig belichte. Dies gab mir schon vor dem Auslösen ein besseres Gefühl für die Lichtverhältnisse.

Wenn ich mir heute mit ein paar Jahren mehr Erfahrung meine Bilder von früher anschaue, dann hätte ich wohl heute einige Bildausschnitte und Perspektiven anders aufgenommen. Aber genau hier liegt die Besonderheit der analogen Fotografie. Ich konzentriere meinen Blick mehr auf die Bildelemente, überlege länger, wie ich das Motiv am besten in Szene setze, mache mir Gedanken über die richtige Belichtung. Denn ich arbeite mit begrenztem Material. Nach 36 Fotos ist erstmal Schluss.

Wie schnell nehmen wir heutzutage die digitale Kamera in die Hand und schießen hunderte Fotos. Trotzdem möchte ich die Möglichkeiten der digitalen Fotografie nicht missen. Doch der Blick auf meine analogen Fotos erinnert mich wieder daran, bewusster zu fotografieren. Nicht einfach die Szene aus mehreren Perspektiven fotografieren und zu Hause die Beste aussuchen, sondern mir die Zeit nehmen, den besten Blickwinkel vor dem Auslösen zu finden.

Wie seht Ihr das? Trauert ihr der analogen Fotografie hinterher, oder lasst ihr sie wieder aufleben? Oder seid ihr überzeugt digital unterwegs?

In diesem Sinne wünsche ich euch einen schönen Tag,

eure Juliane

Advertisements

8 Kommentare zu „Die guten alten (analogen) Zeiten

  1. Also ich trauer der analogen Fotografie in keinster Weise nach. Von 1973-1989 Jahre besaß ich eine eigene Dunkelkammer und machte etwa 3-4 tsd. Aufnahmen jährlich. Bereits 1995 bekam ich eine meine erste Digitale, eine Kodak mit 100.000 Pixel. Für Fotos 10×15 völlig ausreichend, Bildbearbeitung war nur minimal möglich. Aber von da an stand fest, dass ich auf bessere digitale Kameras warten werde und seit 2000 bin ich nur noch digital unterwegs. Der letzte analoge Kontakt war vor 3 Jahren im Zuge einer fotografischen Ausbildung und das hatte mir wieder gezeigt, dass diese Art zwar einen gewissen Reiz hat, aber auf es auf keinen Fall einen Wiedereinstieg in diese Technik geben wird.
    Die Anzahl der Foto die ich heute mache ist nur unwesentlich größer als damals im analogen Bereich, da ich immer noch bewusst fotografiere und nicht auf Masse setze.Die Nachbearbeitung steht in keinem Verhältnis zu damals, ich kann viel kreativer werden und das wichtigste: die Entsorgung der Chemie, das wird irgendwie immer vergessen.

    Gefällt mir

  2. Hab noch vergessen: Ein analoges Foto hat etwa 6-8 Megapixel bei einer Dynamik von 5-6 Blendenstufen. Gegenlichtaufnahmen waren nahezu unmöglich. Eine solche Digitale würde heutzutage wohl kaum noch jemand kaufen

    Gefällt mir

    1. Die heute verbreiteten Fuji Frontiert Laserprinter bieten eine Auflösung von 300 dpi, folglich braucht es einer 2.400 x 3.600 Pixel Vorlage in 8 bit sRGB für eine Ausbelichtung auf Fujicolor Archive Paper im Format von ca. 20 x 30 cm, was rechnerisch 8,64 MP entspricht. Und es ist richtig, daß auch moderne Silberhalogenid Fotopapiere maximal 5 Lichtwertstufen wiedergeben können, egal ob die Datei direkt von der DigiCam oder vom Scanner geliefert wurde. Falls der umfangreichere Farbraum und die höhere Auflösung etwa des Kodak Portra 160 im KB Format ausgeschöpft werden soll, bedarf es der Dunkelkammertechnik früherer Jahre mit besten Projektionsoptiken …

      Gefällt 1 Person

  3. Hallo Gerhard,
    vielen Dank für den Einblick in deine Erfahrungen. Ich finde es immer wieder interessant, aus den Zeiten zu hören, in denen man noch nicht die Wahl hatte, ob analog oder digital. Ich muss auch gestehen, dass ich in meinen analogen Zeiten keine Möglichkeit hatte eine Dunkelkammer einzurichten. Daher mussten die Filme leider immer ins Labor wandern, was mir noch weniger Kontrolle über meine Bilder gab. Und obwohl ich mittlerweile die digitale Fotografie mit all ihren Vorzügen schätze, möchte ich die Erfahrungen mit der analoge Kamera nicht missen. Es hilft einem bequemen Menschen wie mir sehr, sich nicht auf die Automatik verlassen zu können, sondern sich selbst Gedanken um die Einstellungen machen zu müssen.
    Aber genau wie du könnte ich mir auch keinen Wiedereinstieg vorstellen. Die Möglichkeiten und Vorzüge der digitalen Fotografie sind einfach zu groß 🙂
    Viele Grüße, Juliane

    Gefällt mir

  4. Bei einem guten Foto stellt sich selten die Frage, womit oder wie fotografiert wurde – insbesondere dann, wenn die Filme oder Dateien im Fachlabor entwickelt und ausbelichtet werden! Natürlich zeigt ein traditioneller Silbergelantineabzug mit einem Kondensor von einem perfekten Negativ eine andere Ästhetik im direkten Vergleich zu einem Graustufen Pigment Ausdruck auf besten Medien; aber wer weiß das heute noch zuschätzen.

    Für Gebrauchsbilder, die ich am Rechner zur Ausbelichtung im Fremdlabor aufbereite, verwende ich eine DSLR und für Erinnerungsfoto meiner Freizeitaktivitäten vertraue ich die Belichtung von Farbumkehrfilmen und SW Silber Negativen meinen vollmechanischen Kameras an. Die C41 Entwicklung sowie den Scan für Albumfotos überlasse ich einem Fachlabor in Hamburg Eppendorf und SW verarbeite ich vollständig selbst einschließlich der Rahmung mit Passe Partout. Sowohl die SLR als auch die DSLR stelle ich die Belichtung und die Entfernung immer von Hand ein und ja, das 250 Seiten starke Handbuch der DSLR habe ich natürlich vorher studiert und entwickle die RAWs mit PS, wofür ich viele Monate an Einarbeitungszeit investierte, damit die Auswahlen, Ebenen, Masken, Kanäle etc. sich auch gezielt im Foto widerspiegeln …

    Gefällt mir

  5. Hallo Juliane,
    lassen wir den ganzen technischen Schrödel hinter uns – analoge Fotografie ist eine bewußte Entscheidung
    für Sinnlichkeit und sie beginnt mit dem Einlegen des Films und endet wenn man die Abzüge aus dem Fixierbad fischt.
    Viel Spaß weiterhin !

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s